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Rainers Welt · Geschichten & Gedanken

MEIN LEBEN · MEINE GESCHICHTE

Die Bastei ist ein Berg.

Manchmal wird ein großes Vorhaben im richtigen Tempo kleiner.

ca. 15 Minuten Lesezeit· Geschichten & Gedanken

Originalbild aus Rainers Beitrag
In dieser Geschichte
01Der Berg steht schon im Kopf.02Ein Fahrrad kann mehr sein als ein Fahrrad.03Die Orte bekommen einen Zusammenhang.04Ein Gang, der zu mir passt.05Drei Zahlen und das, was danebensteht.06Oben endet nicht jede Frage.07Der Weg nach Hause gehört dazu.08Ein erster Schritt muss noch nichts beweisen.09Ein Stück Selbstvertrauen fährt mit.

Kapitel 01

Der Berg steht schon im Kopf.

Vor der Bastei hatte ich großen Respekt. Lange bevor ich mit dem Gravelbike am Anstieg stand. Der Berg war in meinen Gedanken längst da. Groß genug, um die ganze Tour dahinter verschwinden zu lassen. Burg Stolpen, die Wege durch unsere Region, die Rückfahrt nach Hause: Alles wurde ein bisschen kleiner neben der Frage, ob ich dort wirklich hochkommen würde.

Vielleicht ist das die eigentliche Vorgeschichte dieser Fahrt. Auf einer Karte ist ein Berg ein Teil der Landschaft. Im Kopf kann er zum Urteil über die eigene Person werden. Schaffe ich das? Bin ich schon so weit? Und was bedeutet es, wenn ich unterwegs merke, dass ich mir zu viel vorgenommen habe? Aus einer Strecke wird plötzlich eine Prüfung, die niemand angesetzt hat außer einem selbst.

Ich kenne dieses Gefühl. Ein Vorhaben zieht mich an, und gleichzeitig beschäftige ich mich ausgerechnet mit der Stelle, an der es schwierig werden könnte. Die Freude bekommt Konkurrenz von einer Vorstellung. Irgendwann denkt man so lange über das Scheitern nach, dass man die Möglichkeit einer schönen Erfahrung kaum noch sieht. Dabei hat der Tag noch nicht einmal angefangen.

Diese Geschichte beginnt deshalb für mich vor dem ersten Kilometer. Bei dem Wunsch, eine Antwort zu finden, die sich nicht allein durch Nachdenken finden lässt. Ich wollte diese Tour fahren. Ich wollte unsere Region erleben. Und ich wollte herausfinden, wie viel von dem Berg tatsächlich vor mir lag und wie viel ich mir vorher selbst in den Weg gestellt hatte.

Am Ende wurden es 104,7 Kilometer. Aber bis zu dieser Zahl gab es viele kleine Gegenwarten. Immer nur die Stelle, an der ich gerade war. Genau davon möchte ich erzählen. Vom Unterschied zwischen einer großen Vorstellung und einem Weg, der unter den eigenen Rädern tatsächlich beginnt.

Kapitel 02

Ein Fahrrad kann mehr sein als ein Fahrrad.

Mein Weg zum Radfahren gehört zu meiner Abnehmreise. Wer nur diese Tour sieht, sieht deshalb einen Ausschnitt. Davor liegen Entscheidungen, Versuche und Veränderungen im Alltag. Dinge, über die ich auf der Seite zu meiner persönlichen Reise ausführlicher erzähle. Die Bastei ist ein Kapitel davon. Eines, in dem aus einer Veränderung plötzlich eine Möglichkeit wurde.

Ein Rad kann ein Verkehrsmittel sein. Für mich steckt darin inzwischen auch die Freude, wieder mehr unternehmen zu können. Eine Strecke aussuchen. Ein Ziel interessant finden. Einen Teil der freien Zeit draußen verbringen. Den eigenen Körper nicht nur darüber wahrnehmen, was gerade anstrengend ist, sondern darüber, was mit ihm möglich wird. Das verändert den Blick auf einen ganz gewöhnlichen Tag.

Natürlich wird dadurch nicht jede Fahrt zu einem großen Lebensmoment. Das muss sie auch nicht. Manchmal ist Radfahren einfach Radfahren. Gerade diese Selbstverständlichkeit gefällt mir. Eine Veränderung bekommt ihren Wert häufig dadurch, dass etwas Schönes wieder normal werden darf. Dass man nicht ständig darüber nachdenken muss, ob man überhaupt dazugehören könnte. Man nimmt teil. Man fährt los.

Und trotzdem gibt es Touren, an denen sich etwas verdichtet. Weil ein Ziel dabei ist, vor dem man vorher Respekt hatte. Weil eine Strecke länger wird als die gewohnte Runde. Weil am Ende ein Satz möglich ist, den man sich vorher noch nicht ganz zugetraut hat: Ich bin dort gewesen. Aus eigener Kraft. In meinem Tempo.

Ich möchte daraus keine Aufforderung machen, sich mit meinen Zahlen zu vergleichen. Eine persönliche Veränderung hat keinen vorgeschriebenen Kilometerstand. Für den einen liegt ein wichtiger Anfang vor der Haustür, für den anderen weiter entfernt. Entscheidend ist für mich, ob sich der eigene Bewegungsraum vergrößert. Ob wieder etwas ins Leben kommt, auf das man sich freut. An diesem Tag war es die Fahrt zur Bastei.

Kapitel 03

Die Orte bekommen einen Zusammenhang.

Meine Strecke führte über Burg Stolpen hinauf zur Bastei, wieder hinunter, nach Pirna und weiter zur Burg Weesenstein. Am Schloss Pillnitz vorbei ging es nach Hause. Wenn ich diese Namen hintereinander aufschreibe, klingt das beinahe wie eine Aufzählung für einen Ausflug. Auf dem Fahrrad werden daraus Verbindungen. Zwischen den Orten liegt der Weg, den ich selbst zurücklege.

Das ist eine andere Art, Heimat wahrzunehmen. Ein bekannter Name bekommt eine Entfernung. Ein Ziel gehört plötzlich zu der Strecke davor und dem Stück danach. Die Umgebung wird nicht nur Kulisse für ein Foto. Sie wird Teil einer Erfahrung. Auch das Dazwischen zählt. Die Abschnitte, die keinen eigenen Namen bekommen und trotzdem nötig sind, damit aus einzelnen Punkten eine Tour wird.

Mir gefällt der Gedanke, dass man nicht immer weit weg muss, um etwas Neues zu erleben. Manchmal verändert sich die vertraute Umgebung, weil man selbst anders durch sie hindurchgeht oder fährt. Was vorher ein Ziel für irgendwann war, wird ein Ort, den man erreicht hat. Das Neue liegt dann nicht ausschließlich draußen. Es liegt auch in der Beziehung, die man zur eigenen Umgebung bekommt.

Auf dieser Tour war ich allein unterwegs. Es gab keine Gruppe, die das Tempo vorgab, und keinen Windschatten, in dem ich mich mitziehen lassen konnte. Die Strecke blieb meine eigene Aufgabe. Gleichzeitig gehörte mir auch die Art, sie anzugehen. Ich musste keinen Rhythmus übernehmen, der nicht meiner war. Ich durfte die Tour so fahren, wie ich sie bewältigen konnte.

Diese Freiheit hat für mich etwas sehr Persönliches. Sie heißt auch, bei sich zu bleiben. Wahrzunehmen, was gerade passt, und nicht aus einer schönen Unternehmung einen Vergleich zu machen. Der Berg wird nicht kleiner, wenn jemand anderes ihn schneller fährt. Mein Weg wird aber klarer, wenn ich aufhöre, ihn durch fremde Maßstäbe anzusehen.

Kapitel 04

Ein Gang, der zu mir passt.

Den Berg konnte ich nicht verändern. Meinen Umgang mit ihm schon. Ein passender Gang, ein Tempo, das ich halten konnte, und ein Blick auf den Puls gehörten dazu. Das klingt unspektakulär. Vielleicht gerade deshalb ist es mir im Gedächtnis geblieben. Die hilfreiche Antwort auf eine große Herausforderung muss selbst nicht besonders groß aussehen.

Vorher hatte ich auf den Anstieg als Ganzes geschaut. Unterwegs ging es um den nächsten Abschnitt. Nicht darum, in einem einzigen Moment die komplette Höhe zu bewältigen. Diese Verschiebung macht etwas mit einem. Das Ziel bleibt vorhanden, aber es nimmt nicht mehr den ganzen Raum ein. Dazwischen gibt es Entscheidungen, die kleiner und damit greifbarer sind.

Für mich bedeutet das auch, die eigene Geschwindigkeit ernst zu nehmen. Ein Tempo ist dann passend, wenn es zur tatsächlichen Situation passt. Nicht zu dem Bild, das ich gern von mir abgeben würde. Auf dem Fahrrad lässt sich diese Ehrlichkeit nicht lange überspielen. Wer sich übernimmt, spürt es. Wer besser auf sich achtet, kann eine Strecke anders einteilen. Diese Erfahrung war Teil meines Tages, keine allgemeine Trainingsanleitung.

Es steckt eine stille Erleichterung darin, nicht zusätzlich gegen eine Vorstellung von sich selbst antreten zu müssen. Ich war auf dieser Tour nicht verpflichtet, der schnellste oder souveränste Mensch am Berg zu sein. Ich wollte die Strecke fahren. Dazu durfte gehören, dass sie mich fordert. Respekt vor einer Aufgabe und Freude an ihr schließen sich nicht aus.

Genau hier wurde das Vorhaben in meinem Kopf allmählich handlicher. Der Berg blieb ein Berg. Aber aus dem großen Wort wurde ein Weg mit einzelnen Abschnitten. Etwas, mit dem ich mich beschäftigen konnte, während ich bereits unterwegs war. Man muss eine Aufgabe nicht vollständig überblicken, um den nächsten vernünftigen Schritt darin zu erkennen. Für mich war das an diesem Tag ganz wörtlich spürbar.

Kapitel 05

Drei Zahlen und das, was danebensteht.

104,7 Kilometer. 1.084 Höhenmeter. 24 Grad. Diese Werte habe ich in meinem damaligen Beitrag festgehalten. Sie geben der Tour eine Form. Wer selbst Rad fährt, kann damit etwas anfangen. Sie helfen dabei, die Länge und die Anstrengung einzuordnen. Ich mag solche Zahlen, weil sie etwas sichtbar machen, das sonst leicht zu einer ungenauen Erinnerung wird.

Trotzdem erzählen sie nicht alles. Aus 104,7 Kilometern lässt sich nicht ablesen, wie groß mein Respekt vorher war. Die Höhenmeter zeigen nicht, welchen Gedanken ich nach der Fahrt mitgenommen habe. Und die Temperatur sagt nichts darüber, weshalb ausgerechnet diese Tour für mich zu einem Stück Selbstvertrauen geworden ist. Ein Messwert kann eine Erfahrung beschreiben, ohne ihre Bedeutung vollständig zu enthalten.

Das finde ich spannend. Wir suchen oft nach Zahlen, weil sie vergleichbar wirken. Mehr Kilometer, weniger Zeit, eine größere Leistung. Dabei kann derselbe Wert für zwei Menschen etwas völlig anderes bedeuten. Die Strecke ist messbar. Die persönliche Vorgeschichte steht in keiner Ergebnisliste. Wer sie nicht kennt, übersieht vielleicht das, was für den anderen der eigentliche Erfolg war.

In meinem Beitrag habe ich die Fahrt als Grenzerfahrung beschrieben. Damit gehört auch die Anstrengung zur Geschichte. Ich möchte sie nicht nachträglich weichzeichnen, nur weil die Erinnerung positiv ist. Etwas kann schön gewesen sein und zugleich viel verlangt haben. Vielleicht berührt es uns gerade deshalb. Weil die Freude nicht losgelöst davon ist, dass wir uns einer echten Herausforderung gestellt haben.

Wenn ich die Zahlen heute neben die Orte stelle, entsteht für mich ein vollständigeres Bild. Die Daten halten fest, was gefahren wurde. Die Geschichte erzählt, warum mir das wichtig ist. Beides darf nebeneinanderstehen. Niemand muss sich entscheiden, ob er lieber Zahlen mag oder Bilder im Kopf. Ein gutes Erlebnis hat meistens Platz für beides.

Kapitel 06

Oben endet nicht jede Frage.

Die Bastei ist am Ende auch nur ein Berg. Dieser Satz ist aus meiner Tour geblieben. Ich mag seine Schlichtheit. Er macht nichts lächerlich, wovor ich vorher Respekt hatte. Er rückt es nur an einen anderen Platz. Aus dem großen Unbekannten wurde etwas, mit dem ich tatsächlich zu tun hatte. Eine Erfahrung ist dazugekommen, und damit hat sich mein Blick verändert.

Das bedeutet nicht, dass nach einer gelungenen Fahrt jede Unsicherheit verschwindet. Beim nächsten Vorhaben können neue Fragen auftauchen. Ein anderer Tag kann sich anders anfühlen. Selbstvertrauen ist für mich kein Zustand, den man einmal erreicht und anschließend für immer besitzt. Es wächst auch daraus, dass man sich an konkrete Erfahrungen erinnern kann, wenn der Kopf wieder sehr große Geschichten über das Scheitern erzählt.

Dann gibt es einen Gegenbeleg. Keine Garantie, sondern eine Erinnerung. Ich habe schon einmal vor etwas gestanden, das mir groß erschien. Ich habe es in passende Abschnitte geteilt. Ich bin damit umgegangen. Diese Erinnerung kann leise sein und trotzdem helfen. Sie braucht weder einen Pokal noch jemanden, der danebensteht und erklärt, dass das jetzt bedeutsam war.

Vielleicht liegt darin ein Unterschied zwischen Anerkennung von außen und dem Vertrauen, das innen wächst. Anerkennung ist schön. Aber diese Tour hatte auch ohne Publikum einen Wert. Ich war selbst dabei. Ich wusste, welche Vorstellung ich vorher von dem Anstieg hatte. Und ich wusste danach, dass diese Vorstellung nicht mehr die einzige Geschichte über den Berg war.

Das ist das Gefühl, das ich bewahren möchte. Nicht die Behauptung, dass alles möglich ist. Sondern die Offenheit, dass mehr möglich sein könnte, als sich im ersten Moment sicher anfühlt. Zwischen diesen beiden Gedanken liegt viel Raum. Raum für Vorbereitung, vernünftige Grenzen, Geduld und echte Freude daran, etwas auszuprobieren.

Kapitel 07

Der Weg nach Hause gehört dazu.

Eine Tour besteht nicht nur aus ihrem bekanntesten Ziel. Nach der Bastei ging es weiter. Hinunter, nach Pirna, zur Burg Weesenstein, an Schloss Pillnitz vorbei und schließlich nach Hause. Gerade diese Fortsetzung gehört für mich zum Bild. Der große Punkt auf der Strecke war erreicht, und trotzdem blieb noch ein Weg zu fahren.

Auch deshalb gefällt mir die Tour als Erinnerung. Ein besonderer Moment steht selten allein. Er hat eine Vorgeschichte und ein Danach. Die Arbeit, die nicht auf dem schönsten Bild zu sehen ist, verschwindet dadurch nicht. Bei einer langen Fahrt lässt sich das leicht verstehen. Der Rückweg gehört genauso dazu wie das Ziel, von dem man später zuerst erzählt.

Vielleicht erkennen wir unsere eigenen Fortschritte manchmal zu spät, weil wir nur auf diesen einen herausragenden Punkt schauen. Dabei steckt im Dranbleiben ebenso viel. In dem Teil, der nicht neu ist. In dem Abschnitt, für den niemand eine besondere Überschrift findet. Ein Vorhaben bekommt seinen Zusammenhang dadurch, dass man auch diese Stücke ernst nimmt.

Für meine persönliche Veränderung gilt das ebenfalls. Eine schöne Tour ist nicht von all den gewöhnlichen Tagen getrennt. Sie wächst daraus. Aus Routinen, die sich entwickeln. Aus Entscheidungen, die sich wiederholen. Aus dem Interesse, den eigenen Alltag besser zu verstehen. Der besondere Tag lässt sichtbar werden, was vorher schon in Bewegung gekommen ist.

Nach Hause zu kommen ist deshalb für mich mehr als der Schlusspunkt einer Route. Es verbindet das Erlebnis wieder mit dem normalen Leben. Das Fahrrad gehört anschließend weiterhin zu meinen Wegen. Die Erfahrung darf dort mitfahren. Nicht als ständiger Beweis, was ich geleistet habe, sondern als freundliche Erinnerung daran, dass sich eine Veränderung lohnen kann, weil sie neue Erlebnisse möglich macht.

Die Bastei ist am Ende auch nur ein Berg.

Rainer Schamberger · aus meinem damaligen Beitrag

Kapitel 08

Ein erster Schritt muss noch nichts beweisen.

Auf meiner Website geht es oft um Fragen, die schon eine Weile mitlaufen. Die eigene Vorsorge. Ein Plan, der noch fehlt. Ein Vertrag, den man nicht richtig versteht. Ich möchte daraus keine einfache Gleichung zwischen Radfahren und Lebensplanung machen. Eine finanzielle Entscheidung verlangt andere Überlegungen als eine Tour. Trotzdem erkenne ich bei mir eine ähnliche Erfahrung mit dem Anfang.

Etwas wirkt größer, solange es nur als ungeklärtes Ganzes im Kopf liegt. Man denkt an den schwierigsten Teil und übersieht den ersten überschaubaren Schritt. Beim Berg war es die Vorstellung des kompletten Anstiegs. Bei einem anderen Thema kann es der Gedanke sein, erst alle Unterlagen verstehen oder alle Antworten kennen zu müssen, bevor man überhaupt ein Gespräch beginnen darf.

Dabei darf ein Anfang klein sein. Eine Frage aufschreiben. Etwas sortieren. Sich einen Zusammenhang erklären lassen. Feststellen, was man noch nicht weiß. Das ist kein peinlicher Zwischenzustand, sondern ein sinnvoller Teil des Weges. Niemand muss mit einer fertigen Lösung ins Gespräch kommen. Sonst hätte das gemeinsame Nachdenken schließlich wenig zu tun.

Ich mag diese Erlaubnis zum Anfangen, weil sie Druck herausnimmt. Es muss nicht sofort aus jedem Wunsch ein perfekter Plan entstehen. Manche Vorstellungen brauchen Zeit, und manche verändern sich, sobald man sie genauer betrachtet. Ein erster Schritt ist auch dann wertvoll, wenn er zeigt, dass eine andere Richtung besser passt. Entscheidend ist, dass die eigene Entscheidung klarer wird.

Von der Bastei nehme ich deshalb keine allgemeine Erfolgsformel mit. Ich nehme eine persönliche Erfahrung mit: Meine Vorstellung von einer Aufgabe war nicht die Aufgabe selbst. Erst unterwegs konnte ich beides auseinanderhalten. Dieses Wissen macht mich neugierig auf die nächste Frage, die bisher vielleicht größer aussieht, als ihr erster vernünftiger Schritt tatsächlich ist.

Kapitel 09

Ein Stück Selbstvertrauen fährt mit.

Heute habe ich nicht nur Kilometer gesammelt, sondern auch wieder ein Stück Selbstvertrauen. So habe ich die Bedeutung dieses Tages damals beschrieben. Das Wort „wieder“ gehört für mich dazu. Es lässt Raum für eine Vorgeschichte, für Veränderungen und für die Tatsache, dass Vertrauen in den eigenen Körper nicht immer selbstverständlich ist. Gerade deshalb kann eine einzelne Tour so viel mehr bedeuten als ihre Strecke.

Wenn ich an die Bastei denke, möchte ich nicht nur die Zahl am Ende sehen. Ich möchte auch den Menschen im Blick behalten, der vorher Respekt hatte. Der nicht schon beim Losfahren wusste, wie sich der ganze Tag anfühlen würde. Und der sich trotzdem auf den Weg gemacht hat. Die Unsicherheit am Anfang macht den späteren Moment nicht kleiner. Sie ist ein Teil seiner Bedeutung.

Vielleicht ist das auch das Sympathische an solchen Geschichten. Man muss sich darin nicht als besonders unerschrocken darstellen. Es reicht, ehrlich zu erzählen, dass etwas Überwindung gekostet hat. Dann wird aus einer fertigen Leistung wieder ein menschlicher Weg. Mit Fragen, einem eigenen Tempo und einem Ergebnis, über das man sich freuen darf, ohne sich über andere zu stellen.

Meine Tour war 104,7 Kilometer lang. Ihr Nachklang passt in einen viel kleineren Satz: Ich traue mir wieder mehr zu. Damit ist nicht gemeint, jede Grenze zu übergehen. Gemeint ist die Freude, mich selbst nicht vorschnell auf eine alte Vorstellung festzulegen. Mich zu fragen, was heute möglich ist, und die Antwort nicht schon vor dem ersten Versuch kleinzumachen.

Draußen wartet keine Verpflichtung, aus jedem Tag eine Heldengeschichte zu machen. Es warten Wege. Manche kurz, manche länger. Einige führen an Orte, die man längst kennt, und zeigen sie trotzdem neu. Die Bastei bleibt ein Berg. Für mich bleibt sie außerdem eine Erinnerung daran, dass sich der Blick auf ein großes Vorhaben verändern kann, sobald unter den Rädern ein wirklicher Weg beginnt.

Persönliche Geschichte auf Grundlage meines veröffentlichten Beitrags, für diese Lesefassung erzählerisch und gedanklich vertieft. Zum Originalbeitrag

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