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Rainers Welt · Geschichten & Gedanken

MEIN LEBEN · MEINE GESCHICHTE

Was wirklich zählt.

Drei Etappen, viele Begegnungen und ein anderer Blick.

ca. 16 Minuten Lesezeit· Geschichten & Gedanken

Originalbild aus Rainers Beitrag
In dieser Geschichte
01Eine Einladung, die etwas bedeutet.02Die Kilometer haben einen anderen Grund.03Zusammen unterwegs sein.04Ein Beruf hat viele Gesichter.05Ein Wiedersehen trägt die Geschichte weiter.06Was eine Spende erzählen darf.07Mehr Energie bekommt eine Richtung.08Aus gemeinsamen Tagen werden Verbindungen.09Was auf den Bildern nicht vollständig zu sehen ist.10Drei Etappen. Und etwas, das bleibt.

Kapitel 01

Eine Einladung, die etwas bedeutet.

Manche Einladungen landen im Kalender. Andere bleiben länger. Bei der Glückstour war für mich von Anfang an mehr damit verbunden als ein freier Platz auf einer Radtour. Ich bin selbst kein Schornsteinfeger. Durch meinen Beruf bin ich diesem Handwerk nah. Mitfahren zu dürfen bedeutete trotzdem etwas Eigenes: Ich durfte für eine gemeinsame Zeit dazugehören.

2026 waren es drei Etappen. Drei Abschnitte einer Tour, auf der die Schornsteinfeger Spenden für krebskranke und schwerst erkrankte Kinder sammeln. Der Zweck gibt dieser Fahrt eine Bedeutung, die weit über die sportliche Aufgabe hinausgeht. Die eigene Anstrengung findet in einem größeren Zusammenhang statt. Man ist unterwegs, und der Grund dafür reicht über das eigene Ziel hinaus.

Ich habe in meinem Beitrag von Dankbarkeit gesprochen. Das klingt zunächst nach einem großen Wort. Für mich steckt darin etwas sehr Konkretes. Jemand öffnet eine Tür in eine Gemeinschaft. Menschen nehmen einen mit, obwohl man nicht aus ihrem Beruf kommt. Sie teilen ihre Zeit, ihren Einsatz und ein gemeinsames Vorhaben. Eine solche Einladung ist für mich keine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht berührt mich daran auch, dass Zugehörigkeit sich nicht allein durch eine Bezeichnung erklären lässt. Auf einer Visitenkarte steht, was jemand beruflich tut. Sie sagt wenig darüber, ob man einander mag, miteinander lachen kann oder gern einen Teil des Weges teilt. Diese Erfahrung entsteht erst, wenn Menschen tatsächlich Zeit miteinander verbringen.

Drei Etappen sind auf einer langen Tour ein begrenzter Teil. Für meine Erinnerung sind sie trotzdem ein eigener Raum geworden. Einer, in dem Radfahren, Begegnungen und der Wunsch, etwas beizutragen, zusammenkamen. Wenn ich daran zurückdenke, sind die Etappen nicht einfach drei erledigte Einträge. Sie gehören zu den Tagen, bei denen ich froh bin, die Einladung angenommen zu haben. Weil aus dem Mitfahren etwas geworden ist, das mich noch immer begleitet.

Kapitel 02

Die Kilometer haben einen anderen Grund.

Wer Rad fährt, kennt die Freude an einer Strecke. Ein Ziel erreichen, den eigenen Rhythmus finden, nach einer Anstrengung auf das Geleistete schauen. Auf der Glückstour gehört all das dazu. Gleichzeitig fährt ein anderer Gedanke mit: Diese Bewegung steht im Dienst einer Sache, die nicht bei den Menschen auf dem Fahrrad endet.

In meinem damaligen Beitrag beschrieb ich eine Tour von rund 1.000 Kilometern. Meine drei Etappen waren mein Teil daran. Ich möchte die ganze Strecke deshalb nicht zu meiner eigenen Leistung machen. Gerade das gemeinsame Vorhaben lebt davon, dass viele Menschen verschiedene Beiträge leisten. Was ich beitragen durfte, bekommt seinen Sinn innerhalb dieses Ganzen.

Für mich verändert das den Blick auf die eigene Energie. Normalerweise denke ich beim Sport auch daran, was er mir selbst gibt. Bewegung, Freude, einen freien Kopf, persönliche Entwicklung. Hier kam etwas hinzu. Die Möglichkeit, diese Energie mit anderen zu verbinden. Aus einer Sache, die mir guttut, wird zugleich ein Teil einer gemeinsamen Unterstützung.

Das muss man nicht größer erzählen, als es ist. Eine Radtour nimmt den betroffenen Familien ihre Erkrankung nicht ab. Eine Spende kann nicht jede Belastung lösen. Trotzdem ist ein Beitrag sinnvoll. Hilfe verliert ihren Wert nicht dadurch, dass sie begrenzt ist. Gerade bei großen Aufgaben ist es wichtig, dass Menschen sich nicht davon abhalten lassen, den möglichen Teil zu tun.

Dieser Gedanke ist mir geblieben. Ich muss nicht die ganze Aufgabe allein tragen, um mich beteiligen zu können. Ich kann meinen Abschnitt übernehmen und mich zugleich darüber freuen, dass andere ihren übernehmen. Dann entsteht etwas, das keiner für sich beanspruchen muss. Die Kilometer gehören zur Tour. Der Zweck gehört allen, die sich dafür einsetzen, auf ganz unterschiedliche Weise.

Kapitel 03

Zusammen unterwegs sein.

Auf dem Fahrrad lässt sich Gemeinschaft anders erleben als in einem kurzen Gespräch zwischen zwei Terminen. Man teilt Zeit. Man ist mit derselben Sache beschäftigt. Es gibt eine Strecke, die vor einem liegt, und einen Zusammenhang, der die einzelnen Menschen verbindet. In meinem Rückblick stehen dafür drei einfache Wörter: gelacht, gefeiert, geschwitzt.

Ich mag, dass diese Wörter so unaufgeräumt nebeneinanderpassen. Sie erzählen von Freude und Anstrengung. Von dem Ernst eines Vorhabens und davon, dass Menschen dabei trotzdem lachen dürfen. Ein guter Zweck verlangt keine dauernd ernste Miene. Gemeinschaft darf leicht sein, auch wenn ihr Anlass wichtig ist. Vielleicht hält sie gerade deshalb länger, weil beides Platz hat.

Wenn ich die Bilder anschaue, sehe ich deshalb mehr als eine Gruppe bei einer Veranstaltung. Ich sehe Menschen, mit denen ich Zeit geteilt habe. Das ist ein anderer Blick als der auf ein unbekanntes Gruppenfoto. Für Außenstehende stehen vielleicht viele Personen nebeneinander. Für denjenigen, der dabei war, öffnen sich Verbindungen. Ein Gesicht gehört plötzlich zu einer Erinnerung.

Diese Nähe lässt sich nicht beschleunigen wie ein organisatorischer Ablauf. Sie braucht Gelegenheit. Gemeinsame Zeit schafft davon mehr als ein kurzer Austausch, bei dem jeder bereits auf den nächsten Termin schaut. Man muss dabei nicht sofort besonders persönlich werden. Schon das wiederholte Miteinander kann etwas verändern. Man kennt einander irgendwann nicht nur aus einem einzigen Zusammenhang.

Für mich war das auf der Glückstour ein wesentlicher Teil. Ich war eingeladen worden und durfte mitfahren. Aus dieser Einladung wurde gemeinsam erlebte Zeit. Und aus der Zeit blieb Dankbarkeit. Nicht als formeller Satz, den man am Ende einer Veranstaltung sagt, sondern als das Gefühl, von anderen Menschen aufgenommen worden zu sein. Dieses Gefühl nehme ich mit, lange nachdem eine Etappe zu Ende ist.

Kapitel 04

Ein Beruf hat viele Gesichter.

Durch meine Arbeit bin ich den Schornsteinfegern verbunden. Man könnte diese Nähe nüchtern beschreiben: eine berufliche Ausrichtung, Kontakte, Gespräche, Termine. Das wäre nicht falsch, aber unvollständig. Ein Handwerk besteht aus Menschen. Aus unterschiedlichen Lebenswegen, aus Stolz auf die eigene Arbeit und aus einem Alltag, der hinter einer Berufsbezeichnung leicht unsichtbar bleibt.

Mich interessiert dieser Alltag. Wer sitzt mir gegenüber? Wofür übernimmt jemand Verantwortung? Was macht ihm Freude? Welche Fragen trägt er mit sich herum? Solche Dinge lassen sich nicht auf eine Vertragsnummer reduzieren. Sie werden auch nicht automatisch sichtbar, nur weil ein Gespräch fachlich korrekt geführt wird. Man muss sich dafür interessieren und dem anderen Raum lassen.

Gemeinsame Erlebnisse erweitern diesen Blick. Auf der Tour gibt es einen anderen Rahmen als im Beratungstermin. Menschen begegnen einander mit ihren Interessen, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer Art, Teil einer Gruppe zu sein. Der Beruf bleibt ein Verbindungspunkt. Er ist aber nicht mehr die einzige Fläche, auf der man einander wahrnimmt.

Das gefällt mir. Ich möchte mit Menschen arbeiten, ohne so zu tun, als gäbe es außerhalb der Arbeit nichts von Bedeutung. Wer eine Frage zu seiner Absicherung hat, ist gleichzeitig Partner, Freundin, Vater, Tochter, Kollege oder jemand mit einem ganz eigenen Traum. Die verschiedenen Teile des Lebens verschwinden nicht, sobald ein Termin beginnt. Sie beeinflussen, was wichtig ist.

Die Glückstour hat diesen Gedanken für mich mit einem gemeinsamen Erlebnis verbunden. Ich durfte Menschen in einem Rahmen begegnen, in dem es um Einsatz für andere ging. Das sagt nicht alles über einen Menschen. Aber es zeigt eine Seite, die in keinem Formular vorkommt. Genau solche Seiten machen Begegnungen lebendig und bleiben oft länger im Gedächtnis als eine rein sachliche Information.

Kapitel 05

Ein Wiedersehen trägt die Geschichte weiter.

Zu meinen Beiträgen gehört auch das spätere Wiedersehen mit Roland in Santa Maria Maggiore. Dieser Ort ist eine andere Station meiner Erinnerung. Ich möchte ihn nicht mit den drei Etappen zu einem einzigen Ablauf vermischen. Zwischen gemeinsamen Erlebnissen entstehen Verbindungen, und bei einem Wiedersehen können sie wieder spürbar werden. Darin liegt etwas Schönes.

Man kennt einen Menschen bereits aus einem Zusammenhang. Dann begegnet man sich an einem anderen Ort, und die erste Geschichte ist noch da. Sie muss nicht jedes Mal neu erklärt werden. Ein gemeinsames Erlebnis bildet einen Hintergrund, vor dem ein neues Gespräch beginnen kann. Aus einem Kontakt wird mit der Zeit etwas, das sich nicht mehr auf den ursprünglichen Anlass begrenzen lässt.

In Santa Maria Maggiore wurde ein spontaner Moment zu einer gemeinsamen Spende von 250 Euro. So habe ich es damals berichtet. Der Betrag ist konkret. Er steht nicht als Versprechen dafür, was dadurch im Einzelnen bewirkt wurde. Für mich erzählt er von der Bereitschaft, in einem Moment etwas zu geben, das gerade möglich war.

Ich finde, solche kleinen Übergänge sagen viel über Gemeinschaft. Eine gute Absicht muss nicht immer aus einem großen Plan entstehen. Manchmal ergibt sich eine Gelegenheit aus einer Begegnung. Zwei Menschen erinnern sich an das, was ihnen wichtig ist, und daraus wird eine Handlung. Der Moment bekommt eine Fortsetzung über das Gespräch hinaus.

250 Euro. Eine Zahl, die sich schnell lesen lässt. Dahinter steht für mich die Freude, mit einem anderen Menschen etwas gemeinsam beigetragen zu haben. Der Wert dieser Erinnerung hängt nicht daran, ob die Zahl größer hätte sein können. Sie gehört zu diesem konkreten Augenblick. Zu einem Wiedersehen, zu einem geteilten Gedanken und dazu, dass dieser Gedanke nicht einfach nur im Raum stehen blieb.

Kapitel 06

Was eine Spende erzählen darf.

Über Hilfe zu sprechen verlangt für mich Sorgfalt. Besonders dann, wenn es um Kinder und schwere Erkrankungen geht. Die Aufmerksamkeit sollte den Zweck sichtbar machen, ohne fremde Lebensgeschichten auszuschmücken. Ich kenne nicht jede Familie, der Unterstützung zugutekommt. Deshalb erzähle ich hier keine vermeintlich persönlichen Schicksale, die meine eigenen Beiträge nicht belegen.

Die Bedeutung der Tour wird dadurch nicht kleiner. Im Gegenteil. Man kann einen Zweck ernst nehmen, ohne Menschen, die ohnehin eine große Belastung tragen, zur Kulisse der eigenen Geschichte zu machen. Mein Teil ist die Teilnahme, die Dankbarkeit und das, was ich daraus mitnehme. Die Lebenswirklichkeit der betroffenen Familien gehört ihnen.

Auch das gemeinsame Engagement steht für sich. Es braucht keinen Versicherungsabschluss als Begründung. Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte, unabhängig davon, ob daraus jemals eine berufliche Verbindung entsteht. Wer eine gute Sache unterstützt, sollte sie nicht nachträglich in eine Verpflichtung für andere verwandeln. Das würde gerade das beschädigen, was an freiwilliger Gemeinschaft wertvoll ist.

Vielleicht erklärt das, warum mir diese Geschichte auf meiner persönlichen Website wichtig ist. Sie soll etwas darüber zeigen, was mich bewegt. Man kann einen Menschen besser kennenlernen, wenn auch die Dinge sichtbar werden, die außerhalb seiner eigentlichen Leistung liegen. Was ihm Freude macht. Wofür er Zeit einsetzt. Welche Begegnungen ihn berühren. Daraus muss kein unmittelbarer geschäftlicher Zweck entstehen.

Wenn die Geschichte bei jemandem Interesse an der Glückstour weckt, ist das schön. Wer mehr über die aktuelle Arbeit und Möglichkeiten zur Unterstützung wissen möchte, findet die verlässlichen Informationen beim Verein selbst. Mein Rückblick bleibt eine persönliche Erinnerung. Eine Einladung, den Blick auf eine Gemeinschaft zu richten, deren gemeinsamer Einsatz über die eigene sportliche Freude hinausgeht.

Kapitel 07

Mehr Energie bekommt eine Richtung.

Seit meiner persönlichen Veränderung bin ich mehr unterwegs. Das Radfahren gehört dazu, ebenso die Freude an neuen Wegen und Begegnungen. Auf meiner Seite zur Abnehmreise erzähle ich ausführlicher davon. Die Glückstour zeigt einen Teil dieses Weges, der sich nicht auf Körpergewicht, Training oder eine bestimmte Strecke reduzieren lässt. Mehr Energie kann auch bedeuten, mehr am gemeinsamen Leben teilzunehmen.

Das ist ein Unterschied, der mich beschäftigt. Am Anfang einer Veränderung schaut man leicht auf das, was weniger werden soll. Ein Gewicht, eine Belastung, eine Einschränkung. Später kann sichtbarer werden, was dazugekommen ist. Freude an einer Unternehmung. Neugier auf eine Strecke. Die Möglichkeit, bei einer Einladung wirklich dabei zu sein. Eine neue Erinnerung mit anderen Menschen.

Diese Dinge lassen sich nicht so einfach in einer Kurve darstellen. Trotzdem sind sie für mich ein wichtiger Teil des Ergebnisses. Ein schöner Tag besteht nicht nur daraus, dass ein Messwert besser aussieht. Er besteht aus dem, was man mit seiner Zeit tatsächlich erlebt. Auf der Glückstour bekam dieser Gedanke einen gemeinschaftlichen Rahmen.

Ich möchte daraus keine einfache Botschaft machen, dass jeder Mensch nur genug verändern müsse, um überall teilnehmen zu können. Lebenssituationen und gesundheitliche Möglichkeiten sind unterschiedlich. Meine Geschichte beschreibt meinen Weg. Gerade deshalb ist mir Dankbarkeit wichtig. Ich möchte die Möglichkeit, solche Erfahrungen machen zu dürfen, nicht wie etwas Selbstverständliches behandeln.

Die Energie, die ich für mich gewonnen habe, konnte auf dieser Tour Teil von etwas Gemeinsamem werden. Das ist für mich eine schöne Fortsetzung. Eine Veränderung bleibt nicht im eigenen Spiegel stehen. Sie kann Verbindungen schaffen. Sie kann dazu führen, dass man sich an etwas beteiligt, das einem vorher ferner erschien. Und manchmal wird aus einem persönlichen Anfang eine Geschichte, in der plötzlich viele andere Menschen vorkommen.

Dieses Vertrauen und die Einladung, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, machen mich unglaublich dankbar.

Rainer Schamberger · aus meinem damaligen Beitrag

Kapitel 08

Aus gemeinsamen Tagen werden Verbindungen.

In meinem Rückblick auf das Jahr habe ich von verschiedenen Begegnungen erzählt. Innungen und Verbandstage gehörten dazu, gemeinsame Zeit in Brandenburg, Kanufahren und Tage in Santa Maria Maggiore. Das sind unterschiedliche Anlässe. Was sie für mich verbindet, ist die Erfahrung, dass berufliche Bekanntschaften mit der Zeit menschlich wachsen können.

Eine solche Entwicklung lässt sich kaum planen. Man kann einen Termin vereinbaren, aber keine Freundschaft bestellen. Man kann offen sein, zuhören und sich wieder begegnen. Ob daraus Nähe entsteht, zeigt sich erst im Miteinander. Vielleicht gerade deshalb bedeutet sie mir so viel. Sie ist kein Ergebnis, das sich durch eine feste Anzahl von Kontakten zuverlässig herstellen lässt.

In einer dieser Verbindungen durfte ich sogar Trauzeuge sein. Dieser Teil meiner Rückschau macht für mich sichtbar, wie weit eine Begegnung über ihren ersten Anlass hinausreichen kann. Zwischen einer beruflichen Bekanntschaft und einer solchen persönlichen Rolle liegt gemeinsames Leben. Vertrauen, Zeit und Dinge, die sich in keiner geschäftlichen Beschreibung vollständig wiederfinden.

Die Glückstour steht in diesem Zusammenhang als eine besondere Erfahrung von Gemeinschaft. Nicht jede Person, mit der man eine Etappe teilt, wird automatisch eine enge Freundin oder ein enger Freund. Das muss auch nicht sein. Eine Begegnung kann bereits wertvoll sein, weil man einander für eine Zeit mit Offenheit und Freude begegnet ist. Nähe hat unterschiedliche Formen.

Ich mag es, wenn diese Unterschiede Platz haben. Der kurze gute Austausch. Das Wiedersehen, auf das man sich freut. Die Verbindung, die bleibt. Das Leben wird durch all diese Formen reicher. Wenn ich von Menschen in meinem Beruf spreche, meine ich deshalb mehr als eine freundliche Formulierung. Ich meine konkrete Erinnerungen, in denen aus einem Namen ein Gesicht und aus einem Kontakt ein Teil meiner Welt geworden ist.

Kapitel 09

Was auf den Bildern nicht vollständig zu sehen ist.

Ein Foto kann viele Menschen zeigen und trotzdem nur einen kleinen Teil einer Gemeinschaft erzählen. Es hält einen Augenblick fest. Was davor war, bleibt außerhalb des Bildes. Die Einladung. Die gemeinsame Zeit. Der Einsatz, den verschiedene Menschen eingebracht haben. Die Gründe, weshalb man sich später beim Anschauen über ein bestimmtes Gesicht besonders freut.

Wenn ich auf die Bilder der Tour schaue, kommt für mich mehr zurück als das Sichtbare. Nicht in Form einer lückenlosen Erinnerung an jede Minute. Eher als Zusammenhang. Ich war dort nicht allein unterwegs. Ich durfte einen Teil des Weges mit Menschen teilen, die sich für eine Sache einsetzen. Darin liegt für mich die Wärme dieser Bilder.

Es gibt Erinnerungen, die man gern behält, weil man selbst besonders gut darin aussieht. Diese hier sind mir aus einem anderen Grund wichtig. Sie erzählen davon, aufgenommen worden zu sein. Von einem Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Von der Freude, dazugehören zu dürfen, ohne denselben beruflichen Hintergrund mitbringen zu müssen. Das ist eine freundliche Erfahrung von Offenheit.

Vielleicht lohnt es sich, beim Betrachten eigener Bilder einmal darauf zu achten. Welche Aufnahme erinnert an eine Leistung? Welche an einen Ort? Und welche vor allem an einen Menschen? Oft verändert sich die Bedeutung eines Bildes im Lauf der Zeit. Was zuerst wie eine Dokumentation eines Ereignisses aussieht, wird später zu einer Erinnerung an eine Verbindung.

Für mich gehört die Glückstour in diese letzte Kategorie. Die Fahrräder und die Strecke sind sichtbar. Die Dankbarkeit liegt dazwischen. Sie hat keinen eigenen Platz im Foto und ist trotzdem der Grund, weshalb ich gern darauf zurückkomme. Wenn diese Geschichte etwas davon vermitteln kann, hat sie für mich ihren Sinn. Dann bleibt von den Bildern mehr als nur die Frage, wo sie aufgenommen wurden.

Kapitel 10

Drei Etappen. Und etwas, das bleibt.

Was wirklich zählt. So habe ich diese Geschichte überschrieben. Ich möchte damit niemandem erklären, was im eigenen Leben wichtig sein muss. Der Satz beschreibt einen Blick, der für mich durch diese Erfahrungen klarer geworden ist. Gemeinsame Zeit hat Gewicht. Vertrauen hat Gewicht. Und die Möglichkeit, etwas beizutragen, das über die eigenen Interessen hinausgeht, ebenfalls.

Meine drei Etappen sind vorbei. Der Zweck der Tour bleibt. Die Beziehungen, die daraus mitgewachsen sind, gehören weiter zu meinem Leben. Manche Begegnung bekommt später ein neues Kapitel, so wie das Wiedersehen in Santa Maria Maggiore. Andere bleibt als gute Erinnerung stehen. Beides darf wertvoll sein, ohne dass daraus noch etwas Besonderes werden muss.

Wenn ich an den Anfang zurückdenke, steht dort wieder die Einladung. Ein Mensch wird mitgenommen. Er darf Teil einer Gemeinschaft sein und bringt mit, was ihm möglich ist. Für mich ist das ein schönes Bild, weil es nicht von Vollständigkeit handelt. Niemand muss alles können, alles leisten oder von Anfang an dazugehören, damit aus gemeinsam verbrachter Zeit etwas Gutes entstehen kann.

Ich nehme aus dieser Geschichte deshalb vor allem Dankbarkeit mit. Für die Menschen, die den Rahmen schaffen. Für diejenigen, die sich auf den Weg machen. Für die Begegnungen, die über eine Veranstaltung hinausreichen. Und für die eigene Möglichkeit, dabei gewesen zu sein. Das ist mehr, als sich am Ende einer Strecke auf einem Fahrradcomputer ablesen lässt.

Drei Etappen waren mein Teil. Die Geschichte dahinter ist größer. Sie handelt von einem Handwerk, das sich gemeinsam einsetzt, von Menschen, die anderen Raum geben, und davon, dass persönliche Veränderung neue Verbindungen möglich machen kann. Ich freue mich, wenn beim Lesen etwas von dieser Wärme ankommt. So, wie sie für mich in der Erinnerung geblieben ist: als gemeinsamer Weg, auf den ich mit einem guten Gefühl zurückschaue.

Persönliche Geschichte auf Grundlage meines veröffentlichten Beitrags, für diese Lesefassung erzählerisch und gedanklich vertieft. Zum Originalbeitrag

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